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Die Entwicklung der Müllerei in Cammer

Um aus den Getreidekörnern Brot herzustellen, war es notwendig, diese zu zerkleinern und das Mehl von den Schalen zu trennen. Diese Aufgabe versuchten schon vor Jahrhunderten die Menschen mit primitiven Hilfsmitteln zu lösen. Vor Jahrhunderten wurden die Körner mit Mörsern zerrieben. Mit Hilfe eines Siebes trennte man das Mehl von den Schalen. Später wurden diese Mörser mit Tierkraft angetrieben, und man kam damit zur Entstehung der eigentlichen Müllerei. Der nächste Schritt war nun, die Kräfte der Natur, Wind und Wasser, als Antriebskräfte zu benutzen. So finden wir auch in unserem Kreise an der Plane viele Wassermühlen. Wo nun keine Wasserkraft vorhanden war, war die Windmühle das Kennzeichen der meisten Ortschaften.


Beide Möglichkeiten trafen für Cammer zu. Auf den alten Messtischblättern ist bei der Planebrücke noch die Mühlenstelle eingetragen. Als 1952/53 die Plane reguliert wurde, hat der Bagger Holz- und Balkenteile ans Tageslicht gebracht; ein Zeichen dafür, dass hier einst ein Bauwerk gestanden haben muss. Man kann wohl annehmen, dass diese Mühle im Hussitenkrieg oder im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.
Am Westausgang des Dorfes an der Chaussee nach Golzow standen vor 1830 zwei Mündmühlen. Die eine ist als ursprüngliche Gutsmühle anzusehen. Sie ist wahrscheinlich 1675 erbaut worden. Der jeweilige Müller wurde von der Gutsherrschaft eingesetzt und war dieser abgabepflichtig.


Im Jahre 1835 kaufte der Mühlenmeister Friedrich Wilhelm Puhlmann von Andreas Micka das Büdnerhaus nebst Windmühle für 1.600 Rthlr. Nach dem Tode des F.W. Puhlmann verkaufte die Witwe Justine, Caroline Puhlmann geb. Henning im Jahre 1844 das Anwesen an den Müllermeister Carl Heinrich Zschinschky für 2.600 Rthlr. Im Jahre 1867 ging der Besitz an den Sohn, Müllermeister Friedrich Albert Zschinschky über. Bereits 1873 kaufte der Bauer August Brätz das Grundstück mit Mühle von Fr. A. Zschinschky.

Spiesecke wird Müller

Der Müller Carl Spiesecke aus Ragösen wurde nun im Jahre 1878 Mühlenbesitzer.

Am 12. Februar 1894 wurde die Windmühle von einem gewaltigen Sturm umgeworfen. Der Besitzer kaufte einen Windbock, der an Heiligen See bei Potsdam stand, und baute ihn an derselben Stelle wieder auf. Schon am 15. Juni 1894 konnte die Mühle ihren Betrieb wieder aufnehmen. Beide Zahlen sind auf einem Balken der Mühle eingekerbt.

1913 übernahm sein Sohn, Müller Karl Spiesecke zum Altenteil an Carl Spiesecke und Ehefrau Auguste geb. Brätz die Mühle. Im Jahre 1929 richtete derselbe auf seinem Grundstück nahe der Mühle noch eine Bäckerei ein. Um vom Wind nicht mehr abhängig zu sein, wurden im Jahre 1934 zwei Elektromotoren eingebaut, so dass auch bei Windstille gemahlen werden konnte, zumal im Jahre 1925 das Ortsstromnetz verlegt wurde. Infolge einer Beschädigung der Flügeljalousien durch starken Sturm wurde vom Jahre 1939 an nur noch mit den Elektromotoren als Antriebskraft gemahlen. Nach dem Tode des Besitzers Karl Spiesecke im Jahre 1944 wurde der Betrieb von der Tochter mit ihrem Mann namens Hindenburg weitergeführt. Herr Hindenburg ist an den Folgen des Krieges verstorben. Seit 1951 ist die Müllerei und Bäckerei stillgelegt, nur die Landwirtschaft wird von Frau Irene Hindenburg weitergeführt.

Der Zerfall

Seitdem ist nun der Zerfall der Mühle vorprogrammiert. Die Bockwindmühle war immer das Wahrzeichen von Cammer. Nun stellte sich nach Jahrzehnten der Zustand der Mühle als katastrophal dar und es musste etwas geschehen. Erst einmal waren die Besitzverhältnisse zu klären. Der neue Besitzer des Mühlengrundstückes mit Bockwindmühle ist seit 1982 die Gemeinde Cammer durch Schenkung der Frau Irene Hindenburg. Die Mühle selbst steht unter Denkmalschutz.

Die Rettung

Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters, Gerhard Rettig, stand nun die Rettung der Mühle an. Alle Einwohner waren aber nicht seiner Meinung. Die vielen Handwerker im Ort spornten sich gegenseitig an, und sie begannen im Jahre 1984 mit der Erneuerung des Dachstuhles und des Daches. 1989 wurde die Mühle mit einem großen Fest wiedereröffnet. 1997/98 wurde die Mühle für eine zweite Restaurierung vollkommen zerlegt. 2 Jahre später wurde Restarbeiten ausgeführt. 2008 wurde die Mühle im Rahmen der 675-jahrfeier von Cammer wieder eröffnet.

Gerhard Rettig und Achim Richter haben einen Mühlenführerlehrgang absolviert und führen Führungen durch das technische Denkmal durch.

Der Holländer

Am Ortsausgang in Richtung Brück befindet sich eine weitere Mühle. Es ist ein Holländer. Seit 1833 an diesem Standort. Hier wird bis heute gearbeitet. Eberhard Rosenmüller kümmert sich liebevoll um das technische Denkmal und beliefert Bäckermeister in einem Umkreis von etwa 50 km rund um Cammer.

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